Fränkische Tapas

Grüne Soße am Gründonnerstag

Gründonnerstag. Das ist der Donnerstag vor dem Osterfest, an dem bei uns traditionell Spiegelei, Spinat und Pellkartoffeln aufgetischt wurden, sozusagen die fränkische Variante der Grünen Soße. Seit meine Mitbewohnerin aus Nordhessen zu mir zog, gibt es Gründonnerstag jetzt immer grüne Soße, oder „Grie Soß“, wie sie auf hessisch heißt.

stelle ich in meinem Beitrag die Herstellung der „Grie Soß“ nach einem uralten Rezept einer Kasselänerin vor – und erinnere mich daran, wie ich als Kind vor Ostern mit der Holzklapper durch unser Dorf zog.

„Wir kläppern den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss“. Das ist der Ruf, mit dem die Kläpperer, von Gründonnerstag bis Karsamstag durch die fränkischen Dörfer ziehen. Kläpperer ist übrigens der fränkische Ausdruck für die Kinder mit ihren Holzratschen. Da die Kirchenglocken in dieser Zeit schweigen, übernehmen die Kinder diese Aufgabe und laden die Katholischen mit ihrer Klapper zum Kirchgang ein.
Ein englischer Gruß? Aber in unserem Dorf spricht doch niemand englisch?
Als Kind habe ich mich immer über diese Worte der Kläpperer gewundert. Erst als ich selbst beim Kläppern dabei war, stellte ich fest, dass mit dem englischen Gruß das Ave Maria gemeint ist, das ja mit den Worten „Der Engel des Herrn…“ beginnt.
Vom Gründonnerstag an schweigen die Kirchenglocken – und läuten erst in der Osternacht. In der Zwischenzeit ersetzen die Klepperer mit ihren Holzratschen die Glockenschläge, laden zu Messen und Gebetszeiten ein. Bis in die Achtziger Jahre hinein war das Kläppern eine reine Jungssache, ebenso wie der Ministrantendienst. Seit die Kirche den Mädchen erlaubte, Ministranten zu werden, dürfen sie auch kläppern.
Eine Kläpper ist ein recht einfaches Instrument: Auf einer Walze sind Nocken angebracht, die dafür sorgen, dass sich die Holzleisten heben. Vorne an den Holzleisten sind Klötze. Diese schlagen auf den Resonanzkörper und erzeugen dabei das typisch laute Klappern.

Fränkische Kläpper auch Ratschen genannt

Anheben des Klöppels durch die Nocken der Walze

Seit mehr als 500 Jahren gibt es diesen Brauch. Das erstaunliche an ihm ist, dass die Kinder selbst alles organisieren und regeln. Am Gründonnerstag treffen sich alle Kinder mit ihren Kläppern eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst und wählen einen sogenannten Meister. Dieser führt die Kläppergruppe an und teilt die Kinder in kleinere Gruppen ein. Er bestimmte, wer wann in welchen Straßen laut zu kläppern und die Menschen zum Angelus und zu den vielen Gottesdiensten der Karwoche einladen solle. Samstags ab 14 Uhr laufen die Kläpperer ebenfalls von Haus zu Haus. Jetzt fordern sie den Lohn für ihre geleistete Arbeit und rufen laut: „Zwaa hods gschlogn, Eier wöll mer hobn“.
Gab es früher traditionell rohe Eier als Lohn fürs Kläppern, bekommen die Kinder heutzutage meistens Süßigkeiten oder Geld.
Als wir fünf Brüder vor 40 Jahren mitkläppern wollten, brauchte jeder von uns eine Kläpper. Doch diese gab es nicht zu kaufen, wer eine wollte, musste sie bei einem Schreiner für 30 DM bestellen. Fünf Kläppern für 30 DM, das war für unsere Eltern unerschwinglich. Glücklicherweise war unser Vater Werkzeugmacher. Wir bettelten so lange, bis er uns in wochenlanger Arbeit fünf Kläppern baute und gingen anschließend stolz an Gründonnerstag zum Treffpunkt der Kläpperer an der Kirche.
In diesem Jahr wurde der große Sohn unseres Nachbarn als Meister gewählt. Alles lief problemlos, obwohl sich ungewöhnlich viele Kinder am Kläppern beteiligten. Nachdem wir Samstagmittag unseren Lohn fürs Kläppern eingetrieben hatten, trafen wir uns beim Nachbarn, um alles gerecht unter uns aufzuteilen. Der Kläppermeister grinste uns Brüder mit überlegener Miene an und schlug vor, dass nicht jeder Kläpperer den gleichen Lohn bekommen solle, sondern dieser durch die Anzahl der Familien geteilt werden sollte. Das hieß für uns: Wir bekämen den gleichen Anteil wie die anderen, müssten diesen jedoch unter uns fünf Brüdern aufteilen. Das fanden wir nicht gerecht, sollte doch der Kläpperermeister einen Anteil für sich allein bekommen und sein jüngerer Bruder ebenfalls. Bevor uns endgültig der Kragen über diese Ungerechtigkeit platzte, holten wir unsere Mutter zu Hilfe. Die Nachbarsjungen erhielten ebenfalls Unterstützung durch ihre Mutter. Die beiden Frauen diskutierten lange. Ich wunderte mich, wie vehement die Mutter des Kläppermeisters diese ungerechte Verteilung als völlig gerecht bezeichnete. An diesem Tag erlebten wir zum ersten Mal, wie unsere Mutter außerhalb unserer vier Wände richtig sauer wurde. Sie sagte laut zur Nachbarin, dass sie eine solche Ungerechtigkeit nicht dulde und erst gehen wird, wenn jeder ihrer fünf Söhne den gleichen Anteil bekommt, wie alle anderen auch.
Seit dieser Zeit wussten wir fünf Brüder, dass es Menschen gibt, die sich wie unsere Mutter vehement und unbeirrt für Gerechtigkeit einsetzen und dass es auch Menschen gibt, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.
Dieses Erlebnis hat mein Denken und Handeln stark beeinflusst. Bis heute.

 

Grüne Soße

„Grie Soß“ nach einem uralten Rezept einer Kasselänerin

Grüne Soße mit Beilagen

Grie Soß mit Ei und Pellkartoffel – Tapas

Uraltes grie Soß-Rezept einer Kasselänerin

Zutaten:
7 Kräuter: Borretsch, Dill, Kerbel, Petersilie, Sauerampfer, Schnittlauch und Zitronenmelisse
500 Gramm Naturjoghurt
250 Gramm Sauerrahm oder Schmand
400 Gramm Kartoffeln
4 Eier
1 Teelöffel Senf
Salz, Zucker und Zitronensaft

Grüne Soße wird traditionell aus 7 Kräutern hergestellt

Kräuter:
von oben links: Zitronenmelisse, Dill, Schnittlauch, Petersilie
von unten links: Sauerampfer, Kerbel, Borretsch

Eier für die grüne Soße

Selbstgemachter Joghurt für die grüne Soße

Zubereitung:
Alle Kräuter von ihren Stielen befreien und fein hacken.

Kräuter fein hacken

Die gehackten Kräuter nun in den Joghurt geben und mit einem Stabmixer fein pürieren.

Kräuter mit Joghurt pürieren

Jetzt nach und nach Sauerrahm oder Schmand hinzugeben, bis eine sämige Soße entsteht.

Sauerrahm in die grüne Soße geben

Grüne Soße pürieren

Grüne Soße mit Sauerrahm

Mit Salz, Zucker, Senf und einen Spritzer Zitronensaft abschmecken.
Die Grüne Soße wird mit Pellkartoffeln und gekochten und halbierten Eiern serviert.

Grie Soß mit Pellkartoffel und gekochtem Ei

Dann wünsche ich noch einen guten Apetitt und frohe Ostern!

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Grüne Soße pdf Rezeptanleitung

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