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Thomas Binz: Kann Holz enthalten

Es sind nicht die Holzstücke mit ihren oft skurrilen Formen, die Thomas Binz zu seinen Figuren inspirieren, es ist eher andersherum: „Ich habe eine Idee – und suche mir dafür das passende Holz“. Der Holzkünstler hat eine lange und liebevolle Beziehung zu seinem Werkstoff, schließlich war bereits sein Vater Schreiner. Nach dem Abi wollte er auf die Walz gehen und begann daher mit einer Ausbildung als Zimmerer.

Später zog er fast zehn Jahre lang mit einem Marionettentheater im Zirkuswagen umher. In Haag, diesem Weiler an der Wiesent im Schatten der Ruine Neideck, kam er vor gut 16 Jahren an. Im Haus Nummer 1 schnitzt er seither Figuren und stellt in der Werkstatt eines befreundeten Zimmerers in Schlaifhausen die massiven Holztische und -bänke her, die draußen Wind und Wetter trotzen.

„Seit etlichen Jahren steht der Tisch schon im Freien“, versichert Binz. Die Oberfläche ist fein geschliffen und fühlt sich samtig weich an. Sie wird weder geölt, noch lackiert, sondern lediglich mit Marseiller Olivenseife behandelt. Altert das Holz, ändert es seine Farbe: Harte Eiche wird grau, Lärche silbrig-grau und auch die Robinie bekommt einen schönen dunklen Farbton.

Schönheit wird die Welt retten

Thomas Binz hat sich den Satz aus Dostojewskis Roman „Der Idiot“ zu eigen gemacht und ist sich sicher, dass „Schönheit (…) die Welt retten (wird)“. Das in der freien Natur gewachsene Holz ist für ihn ein Medium, in dem wahres Leben aufstrahlt, ein Leben, in dem Liebe gelebt werden kann, so wie seine Liebe zum Holz. Aus einem solchen Zusammenspiel entstehe eine Schönheit, die weit über den Tag hinausweist, findet der 56jährige.

Wanderer gehen am Haus vorbei, sind auf dem Weg zur Neideck oder ins Wiesenttal, sehen die Figuren, halten inne, schauen, fotografieren. Sie lassen die kleine Frau in ihrer Badewanne schaukeln. „Witzig“, sagt eine Wanderin, die sich gerne noch umschauen würde, allein: die Kinder sind ungeduldig. Die Windspiele singen ihr Lied, eine Rosenhecke sperrt nur dürftig den Einblick und zwischen dem Bruchsteinmauerwerk, das den kleinen Hang vor dem Abrutschen bewahrt, sitzt ein roter Frosch.

Eine echte Beziehung zum Holz

Zum Holz hat der Schreiner eine echte Beziehung, ebenso zu den daraus gefertigten Arbeitstischen für Außenküchen. Die Schneidbretter aus Holz passen beispielsweise perfekt zu den Messern des Haager Schmieds, seinem Nachbarn. Der Handwerker arbeitet mit einem Material, das selbst nie aufhört zu arbeiten. Daher fühlt er sich in altem Fachwerk richtig zu Hause, überlegt bei einer Restauration, wie er marode Balken retten kann und fügt neues Holz mit alter Handwerkskunst wieder ein.

Binz startet die Motorsäge und versenkt sie fast zärtlich in dem 200 Jahre alten Eichenstück, das einst als Balken gedient hat. Die Figur, die daraus entstehen soll, existiert nur in seiner Vorstellung. Auf der einen Seite soll ein Sockel entstehen, auf der anderen Seite, dort, wo die Bohrung ist, sollen einmal Hände herausgearbeitet werden. Für filigrane Arbeiten nimmt Thomas Binz das Schnitzmesser und schält einen Holzspan nach dem anderen ab.

„Holz ist Leben“, schwärmt der Schreiner. Er wuchs mit dem Werkstoff auf, der so vielseitig verwendbar ist, wie fast kein zweiter. Mit Holz lässt sich Kunst schaffen, mit Holz lässt sich wohnen und mit Holz lässt sich gegen die Kälte heizen.

Werkschau am Sonntag

Am Sonntag, 6. September will Thomas Binz seine Werke in einem Open-Air-Atelier neben und hinter seinem Haus in Haag zeigen. Ab 12 Uhr sind Gäste willkommen, gegen eine Spende gibt es auch etwas zu essen und trinken.

Da es in Haag keine Parkplätze gibt, sollten Besucher auf dem Wanderparkplatz beim Streitberger Freibad parken und von dort aus den zehnminütigen Fußweg an der Wiesent entlang nehmen.

Zur Website von Thomas Binz geht es hier entlang, bitte klicken: Kann Holz enthalten.

 

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