Fränkische Tapas

Fränkische Faschingskrapfen mit Hiffenmark

Wie in vielen anderen Gegenden gibt es auch in Franken in der Faschingszeit Krapfen. Diese werden traditionell mit Hiffenmark gefüllt, wie die Hagebuttenmarmelade hier auch genannt wird. Der schmeckt super lecker.
In meiner Kindheit gab es die Krapfen ausschließlich mit Hiffenmark. Heute werden sie auch mit anderen Füllungen, wie Pflaumenmus oder Erdbeermarmelade angeboten. Aber mir schmeckt der Krapfen, der mit Hiffenmark gefüllt ist, am besten.

Komm hol das Lasso raus:
Verkleideten wir fünf Brüder uns (nicht nur zu Fasching) daheim als Cowboys und Indianer, dann war richtig was los. Die Mutter malte den Cowboys Schnurrbärte – und nutzte dafür ihren ansonsten selten gebrauchten Kajalstift. Die Indianer bekamen als Kriegsbemalung zwei rote Streifen aus Lippenstiftfarbe quer über die rechte und linke Wange. Wir legten die Gürtel um unsere Hüften, luden Pistolen und Gewehre mit Zündstreifen, die auf einer Rolle gewickelt waren oder mit Revolverzündplättchen, setzten Federschmuck und Cowboyhüte auf, so dass unsere Verkleidung damit komplett war.
Jetzt mussten nur noch die Pferde gesattelt werden: Wir legten Kissen über die Armlehnen der beiden Drehsessel im Wohnzimmer. Vier Reiter hatten auf ihnen Platz, vor sich die Sessellehnen als Pferdehälse. Schmale Gürtel um die Enden der Armlehnen bildeten das Zaumzeug. Wir stellten die Sessel so auf, dass sie hintereinander standen – so konnte jeder einmal verfolgt werden oder den anderen verfolgen – wir mussten ja nur die Drehsessel um 180 Grad drehen. Irgendwann reichte uns das Schießen mit den Knallplättchen nicht mehr – und wir nahmen die kleinen Sofakissen als Munition. So sahen wir wenigstens, dass wir getroffen hatten.
Zu diesen Zeitpunkt schritt allerdings unsere Mutter spätestens ein und verbot uns strengstens, mit Dingen durch das Zimmer zu werfen, damit die Dekoration auf den Schränken nicht zu Schaden kommt. Doch das war meistens zu spät: Wir waren bereits so tief in unseren Rollen verwurzelt, dass uns nichts mehr bremsen konnte und spielten die Winnetou-Filme nach, deren Szenen wir längst in- und auswendig kannten. Damit es hinterher keinen Ärger geben würde, verräumten wir sämtliche Vasen, Blumen, Nippes und den ganzen Dekokram unserer Mutter hinter das Sofa. Dort war alles sicher – denn jetzt kam das Lasso raus.
Dazu holten wir einen Strick aus der Garage oder dem Keller, achteten aber ganz genau darauf, dass unsere Mutter das nicht mitbekam. Über dem Tisch im Wohnzimmer hing nämlich ein achtarmiger Leuchter, die Glühbirnen in Glasschirmen, die tulpenförmig die Enden der Leuchterarme zierten. Verhedderte sich das Lasso im Leuchter, löste sich mitunter einer dieser Glasschirme, fiel nach unten und zerbrach. Das kam gelegentlich vor, und ganz sicher folgte dann ein Donnerwetter unserer Mutter.
Gegen das Donnerwetter hatten wir eine gute Strategie entwickelt, wir waren ja zu fünft. Solange wir zusammen- und damit dichthielten, musste keiner von uns eine Strafe befürchten. Jeder sagte einfach: „Ich war es nicht“ – und verließ sich darauf, dass sämtliche vier anderen potentiellen Täter das ebenfalls behaupteten.
In den meisten Fällen ging alles gut. Das Lasso streifte dann lediglich den Lampenschirm und die Glasschirme blieben dort, wo sie hingehörten. Vorsichtshalber legten wir unsere Federbetten unter den Leuchter, damit der eventuelle Fall des Lampenschirms gedämpft wurde und dieser nicht zu Bruch gehen würde.
Löste sich trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen einer der Glasschirme, fiel er zu Boden und zerbrach mit einem lauten Knall, erstarrten wir sofort. Wir wussten: Hatte unsere Mutter diesen Knall gehört, stand sie stantepede im Wohnzimmer und drohte vor Wut zu explodieren. Sie schickte uns dann aus dem Wohnzimmer, mit Worten, die keinerlei Widerspruch duldeten und von uns lieber nicht missverstanden wurden.
Erst wenn der Glasschirm ersetzt und die Lampe wieder vollständig war, kehrte der Frieden zurück. Zum Glück für uns hatte unsere Tante den gleichen Leuchter – da er ihr nicht gefiel, lag er bei ihr auf dem Dachboden und diente als Ersatzteillieferant. Wir mussten zu unserer Tante gehen, um einen Ersatzschirm bitten und diesen heil bis nach Hause bringen. Achtmal tauschten wir auf diese Weise einen Schirm an der Lampe aus. Dann waren die Ersatzschirme aufgebraucht. Die zwei Glasschirme, deren Leben anschließend auf dem Boden zerschellte, ließen die Lage brenzlig werden – es gab keinen Ersatz mehr für sie. Glücklicherweise renovierten dann die Eltern das Wohnzimmer und tauschten dabei auch die Lampe aus. Nur das Lasso haben wir hinterher nie wieder herausgeholt, nicht nur, weil wir älter geworden waren, sondern auch, weil wir wussten, dass wir das sonst vielleicht nicht mehr überlebt hätten.

 

Fränkische Faschingskrapfen mit Hiffenmark

Zutaten für ca. 20 Krapfen:
1 kg Mehl
40 g Hefe
200 g Butter
2 bis 3 EL Zucker
1 gestrichener EL Salz
4 Eier
2 Eigelb
1/2 Liter Milch
1 guter Schuss fränkischer Zwetschgenschnaps

Zum Ausbacken: 500-1000 g Pflanzenfett
für die Füllung: Hiffenmark
Puderzucker oder feiner Haushaltszucker zum Bestreuen

Zubereitung:
Die Hefe mit warmer Milch und Zucker ansetzen, bis sie schäumt.

Hefe ansetzen

Aus den zimmerwarmen Zutaten einen Hefeteig herstellen. Manche setzen dazu zunächst das Mehl mit der in lauwarmer Milch aufgelösten Hefe als Vorteig (Dampferl) an und lassen diesen eine Zeit lang gehen.

Teig zubereiten

Die übrigen Zutaten hinzufügen, alles gut durchkneten und den Teig mehrmals auf die Arbeitsfläche schlagen. Danach 1 Stunde an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen.

Teig gut verrühren

Anschließend wird der Teig 2 – 3 cm dick ausgerollt. Aus diesem können runde Stücke ausgestochen werden.

Teig ausstechen

Teig ausstechen

Diese gehen mit einem Küchentuch bedeckt nochmals gut auf.

Krapfen mit einem Geschirrtuch abdecken

Dann erhitzt man das Pflanzenfett in einem geeigneten tiefen Topf, gibt die Teigstücke hinein, übergießt sie mit Fett und läßt sie zunächst von der Unterseite ca. 4 Minuten goldgelb ausbacken. Dann wendet man sie, gießt wiederum Fett darüber und läßt auch die zweite Seite 4 Minuten goldgelb ausbacken.

Krapfen im heißen Pflanzenfett ausbacken

Man nimmt sie mit einem Schöpflöffel heraus.
Hiffenmark in eine Garnierspritze oder Spritzbeutel füllen und damit die Krapfen noch im warmen Zustand befüllen.

Fränkisches Hiffenmark – Hagebuttenmarmelade

Hiffenmark in die Garnierspritze einfüllen

Mit Hiffenmark gefüllte Spritze

Dabei die Spritztülle tief von der Seite in den Krapfen stecken durch Hin- und Herbewegungen einen Hohlraum schaffen und beim Herausziehen das Hiffenmark gleichmäßig im Krapfen verteilen.

Hiffenmark in die Krapfen einspritzen

Krapfen erkalten lassen und anschließend mit Puderzucker oder Kristallzucker bestreuen.

Fränkische Krapfen mit Hiffenmark – Tapas

Tipp:
Ein reines und geschmackneutrales Pflanzenfett verwenden. Hier nicht am Geld sparen!
Darauf achten, dass das Fett hell bleibt. Entweder durch Nachgeben von frischem Fett oder Austauschen.

Rezeptanleitung: Zum Herunterladen bitte anklicken.
Fränkische Faschingskrapfen mit Hiffenmark pdf Rezeptanleitung

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