Fränkische Tapas

Schlotfeger

In Franken wird der Schornsteinfeger auch als Schlotfeger bezeichnet. Auch ein mit Sahne gefülltes Süßgebäck trägt diesen Namen. Wer nicht in Franken zu Hause ist, kennt das Gebäck vielleicht unter dem Namen Hippenröllchen. In meiner Kinder- und Jugendzeit gab es die Schlotfeger in jeder Bäckerei, aber inzwischen haben sie sich in den Verkaufstheken irgendwie rar gemacht. Sind sie etwa aus der Mode gekommen? Dabei sind sie sehr lecker, allerdings – dank ihrer Sahnefüllung – auch reich an Kalorien.

Schlotfeger – Tapas

In der Faschingszeit war meine Mutter gerne etwas großzügiger und brachte uns dann süße Teilchen vom Bäcker mit. Schlotfeger gehörten dabei zu unseren Lieblingsleckereien – deswegen zeige ich heute, wie sie zubereitet werden.
Die beiden Jungs auf dem Foto sind übrigens mein Zwillingsbruder und ich, die Aufnahme entstand etwa Mitte der 60er Jahre. Die Kostüme wurden von unserer Tante, also der Schwester unserer Mutter entworfen und für uns genäht. Gefragt wurden wir allerdings nicht, also musste mein Bruder den Kaspar machen und ich einen Schlotfeger. Dabei hätte ich mich zum Fasching lieber als Cowboy verkleidet, mit Hut und angemaltem Schnurrbart. Unser großer Bruder lief gerade so herum, auf dem Foto habe ich mich gerade nach ihm umgedreht. Außerdem hatte er eine Spielzeugpistole, mit der er ordentlich Krach machen konnte. Was haben wir ihn darum beneidet…
Aber Mitte der 60er Jahre wurde noch alles von den Erwachsenen entschieden, die Kinder wurden nicht gefragt. Die Erwachsenen bestimmten alles und die Kinder mussten folgen. Widerrede war dabei im Erziehungskonzept nicht vorgesehen, sie wurde auch nicht geduldet und falls doch jemand einen Widerspruch wagte, nun, der wurde ihm aberzogen. Es wurden Schläge angedroht und nötigenfalls auch ausgeteilt.
Ende der 60er Jahre änderte sich das: Die Studenten begehrten gegen dieses autoritäre System auf, auch wenn sie ebenfalls Gewalt anwendeten und Steine gegen Häuser oder Polizeisperren warfen. Für uns waren die Auswirkungen unmittelbar: Wir erlebten zwei ganz unterschiedliche Arten von Erzieherinnen. Die einen lehnten Gewalt ab und die anderen hielten sie als Mittel zur Erziehung immer noch für nötig. Zwar gab es ab dann keine Prügel mehr, aber …
Ich teilte Lehrerinnen und Erzieherinnen in zwei Kategorien: In die netten Erzieherinnen, die uns nicht geschlagen haben und in die weniger netten Erzieherinnen, denen wir lieber aus dem Weg gingen, ihren Anweisungen im Zweifelsfall lieber folgten und ihnen auf keinen Fall widersprachen. Sicherlich war es auch für die Erwachsenen eine schwierige Zeit, in der sie oft nicht wussten, wie sie ihre Kinder nun erziehen sollten. Mit Gewalt – oder lieber doch ohne?
Ein Vorfall zeigte das Erziehungsproblem jener Zeit ziemlich deutlich. Er passierte Mitte der siebziger Jahre in der Fränkischen Schweiz und brachte es bis auf die Titelseite der Bild-Zeitung. An der Kasse des Supermarktes stand eine Mutter mit ihrer Tochter. Da es der Tochter langweilig war, schob sie den Einkaufswagen ständig vor und zurück, und schob ihn der Frau, die vor ihr stand, immer wieder in die Wade. Irgendwann hatte die Frau genug davon, sie drehte sich um und bat die Mutter freundlich, sie möge doch ihrer Tochter bitte sagen, dass sie damit aufhören solle. Die Mutter erwiderte, dass sie ihre Tochter antiautoritär erziehe – und diese müsse selbst wissen und erkennen, wann sie aufhören soll. Hinter der Frau mit ihrer Tochter wartete ein älterer Herr in der Schlange. Er nahm ein Glas mit Honig, das er in seinem Einkaufswagen hatte, schraubte es auf und goss es der Mutter von hinten über den Kopf. Als sich diese überrascht umdrehte, und gerade Luft holte, erklärte der Mann, dass er auch antiautoritär erzogen sei. Er wisse auch, wann er aufhören müsse.
Heutzutage scheint die Zeit ähnlich zu sein. Es wird ebenfalls nicht gefragt, aber dieses Mal geht es nicht um die Kinder, sondern um die Erwachsenen. Während die Kinder überall ihren Spaß haben dürfen, müssen die Erwachsenen alles dafür tun, dass das auch so ist. Ob es den Erwachsenen jedoch Spaß macht, danach fragt niemand. Erziehen also jetzt die Kinder ihre Eltern? Die Frage wäre dann: Was soll daraus werden? Wir werden es sehen. Später.

Die Schlotfeger

Zutaten:
120 Gramm Marzipan-Rohmasse
100 Gramm Puderzucker
30 Gramm Mehl
4 Eiweiße
ein halber Teelöffel Zimt
die abgeriebene Schale einer halben Zitrone
4 Eßlöffel Sahne
100 Gramm Schokoladen-Fettglasur
0,25 Liter Schlagsahne

Zubereitung:
Den Puderzucker und das Mehl sieben und alles mit dem Marzipan, den Eiweiß, Zimt und der geriebenen Zitronenschale so lange verrühren, bis eine glatte Masse entstanden ist. Den Teig abdecken und über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen. Den Backofen auf 190°C vorheizen. Zwei Backbleche dünn mit Butter bestreichen und anschließend mit Mehl bepudern.

Backblech mit Butter einreiben und mit Mehl bestäuben

Den Teig aus dem Kühlschrank holen, die vier Eßlöffel Sahne unterrühren und ihn mit einem Löffel gleichmäßig dünn auf das Backblech auftragen.

Teig auf das Backblech gießen

Teig gleichmäßig auf das Backblech verteilen

Nun beide Backbleche nacheinander auf der mittleren Schiene hellbraun backen. Nach 3 bis 4 Minuten das Backblech herausnehmen und die Teigplatten mit einem Teigrädchen in Quadrate von 10 x 10 cm schneiden. Die Quadrate weiterbacken, bis sie knusprig braun sind. Die einzelnen Platten noch heiß vom Blech nehmen und jedes über einen dicken Holzlöffel aufrollen. An einem Ende zusammendrücken, dann vom Holzstil schieben und erkalten lassen.

Warmen Teig über einen Kochlöffelstiel aufrollen

Kochlöffel aus dem aufgerollten Teig ziehen

Erkaltete Hippenröllchen

Die Schokoladenglasur im Wasserbad schmelzen, die Teigröllchen damit bestreichen und von beiden Seiten mit der Schlagsahne füllen.

Mit Schokoglasur überziehen

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Schlotfeger pdf Rezeptanleitung

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