Feuerwerk an Silvester
Fränkische Tapas

Matjes mit Sprengstoff

Fränkischer Matjessalat

Fränkischer Matjessalat mit Roter Beete. Traditionell bereitete unsere Mutter an Silvester Matjessalat zum Abendbrot. Diesen futterten wir fünf Brüder nur mit mäßiger Begeisterung. Das lag allerdings nicht am Matjessalat selbst, sondern daran, dass wir uns auf das mitternächtliche Feuerwerk freuten und es kaum erwarten konnten.
Den Matjessalat habe ich erst später wieder schätzen gelernt, als meine Mitbewohnerin mir nach ihrem Hausrezept einen Matjessalat mit frischen Zutaten zubereitete. Echt lecker. Die fränkische Variante meiner Mutter, die diesen ebenfalls aus frischen Zutaten zubereitet hat, findet Ihr nach meiner Silvestergeschichte.

Der ultimative Silvesterkracher

Silvester fuhren unsere Eltern nach dem Feuerwerk zu den übrigen Verwandten im Dorf. Dort gratulierten sich alle zum neuen Jahr und feierten noch bis in die Morgenstunden hinein. So sollte es auch an Silvester 1975 sein.

Kaum war das Feuerwerk vorbei, schickten sie uns in die Betten und warteten noch ein paar Minuten. Als sie dachten, dass wir friedlich schlafen würden, fuhren sie los.
Auf diesen Moment hatten wir alle gewartet: Längst hatten wir Pläne geschmiedet, was wir dann – völlig unbeobachtet – unternehmen konnten. In den drei Tagen davor hatten wir bereits einige der Raketen und Feuerwerkkörper, die unser Vater für Silvester besorgt hatte, zur Seite geschafft. Unsere Eltern hatten glücklicherweise nichts davon bemerkt.

Wir standen auf, gingen in die Küche und setzten uns auf unsere Plätze am Küchentisch. Jeder legte seine gesammelte Beute vor sich. Wir wollten daraus den echt ultimativen Kracher bauen, einen Kracher, der so fetzig war, dass er alles übertrumpfen sollte, was wir bis dahin als Feuerwerk kannten. Wir holten die kleinen scharfen Messer aus der Küchenlade, öffneten die Raketen und pulten das Schwarzpulver heraus. Alles kam auf Zeitungspapier, das wir in die Mitte des Tisches gelegt hatten. Der Berg wuchs langsam – und je größer er wurde, desto größer wurden unsere Ideen, wie wir die gewaltige Sprengkraft des Schwarzpulvers für die größtmögliche Explosion nutzen könnten. Wir einigten uns darauf, alles in ein Eisenrohr zu stecken und dieses von beiden Seiten fest zu verschließen.

Wir kratzten eifrig weiter das Schwarzpulver aus den Silvesterkrachern, als wir das Geräusch des Haustürschlüssels hörten. Jedem von uns war jetzt klar, dass unsere Eltern zurück waren. Aber warum so früh? „Scheiße!“, war das einzige Wort, das wir noch herausbrachten. Zeit zum Nachdenken blieb uns nicht.
Wir wussten nur: Das Schwarzpulver durften unsere Eltern auf gar keinen Fall entdecken. Schließlich wollten wir nicht auf unser ultimatives explosives Erlebnis verzichten. Deswegen hüllten wir das wertvolle Gut in das Zeitungspapier, auf dem es ohnehin schon lag.

Die Küchentür öffnete sich – und unsere Mutter bemerkte sofort, dass irgendetwas im Gange war. Verärgert darüber, dass wir nicht in unseren Betten lagen, fiel ihr Blick auf das Zeitungsknäul. Mit den Worten: „Euch werd ich helfen“, griff sie den Zeitungsball und öffnete mit der anderen Hand den alten Küchenherd, auf dem sie tagsüber das Essen kochte. Wir wollten etwas sagen, sie warnen, doch der Schreck vor der drohenden Katastrophe war so groß, dass keiner von uns auch nur ein Wort herausbrachte.
Die Mutter presste den Zeitungsball mit dem Schwarzpulver darin in das kleine Ofenloch und schlug die Ofentür mit einem lauten Krach zu.

„Deckung!“, brüllten wir und stürzten uns unter den schützenden Küchentisch.

Unsere Mutter jedoch stand nichtsahnend mit dem Rücken zum Ofen. „Mama, geh in Deckung!“, flehten wir sie an. Sie jedoch schaute uns nur fassungslos an. Wir wurden panisch – fürchteten wir doch um das Leben unserer Mutter. Einer nach dem anderen spitzte mit dem Kopf über die Tischkante und winkte hektisch der Mutter zu: „Mama! Geh in Deckung!“
„Ich glaub, ihr seid total durchgedreht“, bekamen wir jedoch zur Antwort.

Plötzlich knallte es einmal, sofort danach ein zweites Mal und ich hörte ein metallisches Geräusch. Es roch nach verbranntem Schwarzpulver und beißender Rauch breitete sich aus.
Jetzt wagten wir uns aus der Deckung des Küchentisches heraus. Die Küche war ganz vernebelt und sonderbar still.
Ich sah den Umriss meiner Mutter, wie sie immer noch aufrecht vor dem Ofen stand und dachte nur: „Gott sei Dank, sie lebt“.

Die Detonation hatte das Ofentürchen aufgerissen und die kreisrunde Eisenplatte, die sonst oben exakt in die Öffnung passte, lag schräg darauf. Keiner von uns fünf Brüdern wagte auch nur ein Wort – und unsere Mutter schwieg ebenfalls.
Erst nach einer ganzen Weile fragte sie uns, was wir in dieses Zeitungspapier eingewickelt hatten. Sie schien völlig gelassen zu sein. Da gaben wir reumütig zu, dass wir das Schwarzpulver aus Krachern gesammelt hatten.
Sie war froh, dass nichts Schlimmeres passiert war, schickte uns zurück in die Betten und ermahnte: „Heute will ich keinen Ton mehr von euch hören!“
Wir verkrochen uns mucksmäuschenstill und waren nur froh, dass unserer Mutter nichts passiert war.

An diesem Neujahrstag war es bei uns zu Hause ungewöhnlich still. Bis wir Brüder diesen Schrecken verdaut hatten, dauerte es eine Weile. Mit Schwarzpulver haben wir danach jedenfalls nicht mehr experimentiert.

Matjessalat

Zutaten:
300 g Matjesfilet
4 Essiggurken
4 gekochte Eier
6 Scheiben Rote Beete aus dem Glas
1 säuerlicher Apfel
1 großer Becher Naturjoghurt (alternativ geht auch Kaffeesahne oder Sahne)

Zubereitung:

Fränkischer Matjessalat

Zutaten für fränkischen Matjessalat

Matjes in mundgerechte Stücke schneiden.
Restliche Zutaten außer Apfel klein schnipseln und zu den Matjes geben.
Jetzt den Joghurt unter heben.
Anschließend den Apfel schälen und klein schneiden. Sofort unter den Salat mischen, damit die Äpfel nicht braun werden.

Zutaten für fränkischen Matjessalat

Fränkischer Matjessalat – Zutaten miteinander vermischen

Mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.

Die Zutaten können von der Menge je nach Vorlieben variiert werden.
Mir schmeckt der Matjessalat mit viel Essiggurken darin einfach besser.

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Fränkischer Matjessalat pdf Rezeptanleitung

  1. Was für eine Geschichte!
    Oh oh! ich muß auch oft an Streiche denken, die wir früher (wir waren auch fünf Kinder zu Hause) ausgeheckt haben. Und ich hoffe dabei immer inständig, daß meine Kinder nicht auf so verrückte Ideen kommen…
    Danke fürs Teilen Deiner Erinnerungen!
    Suse

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