Fleisch Fränkische Tapas

Böhmischer Schweinebraten

Als ich gemeinsam mit der Mitbewohnerin vor einiger Zeit Richtung Prag unterwegs war, war uns die Fahrt auf der Autobahn so langweilig, dass wir lieber auf der Landstraße fuhren. Auf dieser kamen wir zwar langsamer voran, doch die Aussicht war entschieden besser.

Wappen von Cernosin

Auf einem Ortsschild las ich „Cernosin“, wiederholte den Namen laut – und erinnerte mich. Aus diesem Dorf kam nach dem Krieg diejenige Familie, die bei meiner Oma einquartiert wurde. Wir fuhren langsamer und hielten an, schließlich waren diese daran schuld, dass ich meinen Namen bekam: Als meine Mutter uns Zwillinge im Haus unserer Oma bekam, wusste sie nicht, dass sie zwei Babys bekommen würde. Daher hatten sie nur einen Namen überlegt und ihn meinem Bruder verpasst. Die anschließende Diskussion über meinen künftigen Namen beendete der Besuch der Familie ganz lakonisch: Call him Ronald. Punkt. Ende. Aus.
Der Besuch war nämlich ein Onkel aus Amerika, der damals extra wegen seiner Goldenen Hochzeit nach Deutschland angereist war, um mit seinem Verwandten dieses Ereignis zu feiern und für diese Zeit ebenfalls im Haus meiner Oma wohnte.
Als die Tochter dieser Familie später ihre ehemalige Heimat besuchte, berichtete sie empört, dass im Elternhaus immer noch ein Loch im Dach sei. Regnet es, stellen die Bewohner einfach eine große Wanne darunter und fangen das Wasser auf. Verursacht wurde der Schaden durch eine Granate, die während des Krieges einschlug.

Kirche in Tschernoschin heutiges Cernosin

Wir parken in der Mitte des Dorfes und sehen uns alles an: Cernosin ist ein recht kleiner Ort. Die Häuser reihen sich mit ihren Toreinfahrten die ganze Hauptstraße entlang, hinter ihnen befinden sich Gärten. Wir gehen die Straße auf und ab, suchen nach einem Haus mit Loch im Dach, finden jedoch keines. Da ich die ehemalige Adresse der vertriebenen Familie nicht kenne, weiß ich nicht, um welches der Häuser es sich handeln könnte. Weil es Mittag war, gingen wir in die Gaststätte, aßen etwas und versuchten, mit der Wirtin zu reden. Leider sprach sie kaum Deutsch. Eine Tafel im Ort informierte, dass nach dem Krieg hier 1.200 Menschen gelebt hatten, von denen über 1.000 als Deutsche schließlich vertrieben wurden. Es blieben nur etwas mehr als 100 Tschechen zurück.
Wir setzten unsere Reise fort, und als ich nach Hause zurückkam, suchte ich im Dorf nach denjenigen, die aus Cernosin stammten. Von der Familie, die damals bei meiner Oma gewohnt hatte, lebt heute niemand mehr. Aber andere konnten mir noch viel von Cernosin erzählen, auch, wo das alte Haus der Familie einst gestanden hatte. Wenn ich das nächste Mal dorthin fahre, werde ich den Ort mit ganz anderen Augen sehen. Und weil die Tschernoschiner früher jeden Sonntag Schweinebraten mit Knidla und Sauerkraut aßen, stelle ich dieses Gericht heute vor.

Böhmischer Schweinebraten

mit Knidla und Sauerkraut

Böhmischer Schweinebraten mit Knidla und Sauerkraut

Zutaten Braten:
1 kg Schweinesschulter mit Schwarte
Butterschamlz
Salz und Kümmel
Fleischbrühe

Zubereitung Braten:
Die Schwarte mit einem sehr scharfen Messer (z.B. Teppichmesser) kreuzförmig bis zur Fettschicht einschneiden. Das erledigt auch der Metzger gerne, bei dem die Schweineschulter gekauft wird.

Schwarte mit einem scharfen Messer tief einschneiden

Zuerst wird die Schulter von allen Seiten schön im Butterschmalz angebraten. Nur die Schwarte nicht, die ist später dran.

Schweineschulter anbraten
Schweineschulter von allen Seiten anbraten

Anschließend wird der Braten ordentlich mit Salz und Kümmel gewürzt und kommt mit der Schwarte nach unten in den Bräter. Mit Brühe aufgießen, bis er halb bedeckt ist und mit einem Deckel abdecken.
Nach einer 3/4 Stunde den Braten wenden, damit die Schwarte oben ist. Jetzt alle 15 Minuten die Schwarte mit dem Bratensaft übergießen.
Nach einer weiteren 3/4 Stunde den Deckel entfernen, die Temperatur auf 200° C bis 230° C erhöhen und den Braten solange im Ofen lassen, bis die Kruste schön kross ist.

Knusprig gebratene Schwarte
Schweinebraten mit knuspriger Schwarte

Zutaten Knidla:
500g Instantmehl (ich nehme grobkörniges Spätzlemehl)
Einen frischen Hefewürfel
250 ml Milch
1 Ei
1 TL Salz
1/2 TL Zucker

Zutaten für böhmische Knidla

Zubereitung Knidla:
Die Hefe mit dem Zucker und ein paar Esslöffel lauwarmer Milch ansetzen, bis sich Bläschen bilden. Das Mehl in eine Schüssel geben und mit dem restlichen Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Eventuell noch Mehl oder Milch hinzufügen.

Alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verkneten

Den Teig mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat. Anschließend den Teig teilen und zu faustgroßen Kugeln formen. Diese sofort mit einem Geschirrtuch abdecken. In der Zwischenzeit einen ausreichend großen Topf mit Wasser und reichlich Salz zum kochen bringen.

Teigkugeln zu einem länglichen Teig formen

Nun die Teigkugeln zu länglichen Knödel formen und für zwanzig Minuten im heißem aber nicht kochendem Wasser ziehen lassen. Nach 10 Minuten die Knidla wenden. Die fertig gegarten Knödel mit einem Bindfaden in ca. zwei Zentimeter dicke Scheiben schneiden.

Zum Böhmischen Schweinebraten wird traditionell Sauerkraut gegessen.

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Böhmischer Schweinebraten pdf Rezeptanleitung

Thema September 2019 – Land nach Wahl

Mit meinem Beitrag beteilige ich mich an der Foodblogparty Leckeres für jeden Tag. Hier gibt es noch weitere leckere Rezepte aus anderen Ländern von anderen Foodbloggern.

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  4. Lieber Ronald,
    ich finde es immer wieder schön, wie man Geschichten und Erinnerungen mit Essen verbindet.
    Das Rezept klingt auch nach einem perfekten Sonntagsessen mit der ganzen Familie.
    LG,
    Jill

  5. Hallo Ronald,

    auch ich mache gerade eine Reise in die Vergangenheit…als ich die Bilder von dem Schweinebraten gesehen habe, stieg mir sofort der typische Sonntagsmittags-Essensduft in die Nase und katapultierte mich einem der früher für uns typischen gemeinsamen Mittagessen mit der ganzen Familie bei meiner Oma. Vielen Dank dafür!

    Herzliche Grüße
    Tina

  6. Lieber Ronald, da hast du mal wieder mit einem sehr schönen Rezept und einer noch viel schöneren Geschichte unsere Runde bereichert. Vielen Dank und liebe Grüße Silke

  7. Pingback: Torta Della Nonna-Kuchenspezialität aus Italien - Backmaedchen 1967

  8. Lieber Ronald, eine wirklich schöne Geschichte ich lese deine Beiträge immer sehr gerne. Der Schweinebraten sieht ja sowas von lecker aus vor allem diese knusprige Schwarte, vielen Dank für diesen tollen Beitrag und das Rezept.

    Liebe Grüße
    Britta

  9. Lieber Ronald,
    mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, langsamer zu reisen, um dafür mit besonderen Erlebnissen belohnt zu werden. Eine schöne Geschichte hast Du uns da mitgebracht – und so ein Schweinebraten mit Knusperkruste, den liebe ich.
    Herzlichst, Conny

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