Am Wegrand zwischen zwei Dörfern steht er schon seit Jahren: ein alter Zwetschgenbaum, halb in der Hecke verschwunden, die Äste schwer behangen und niemandem mehr zugeordnet. Solche Bäume gibt es überall in Franken. Manchmal sind es die Reste alter Streuobstwiesen, manchmal wurden die Zwetschgen von den Kommunen selbst gepflanzt, oft sind sie einfach vergessen. Wer dort ein paar Hände voll Früchte pflückt, begeht in der Regel kein Unrecht: Für den Eigenbedarf und in kleinen Mengen ist das Sammeln am Wegesrand, auch bekannt als “Mundraub”, gesellschaftlich wie meist auch rechtlich toleriert, solange der Baum nicht erkennbar auf eingezäuntem Privatgrund steht. Ich habe diese Zwetschgen also mit gutem Gewissen gepflückt; prall, dunkelblau, mit diesem feinen weißlichen Schimmer auf der Haut, der die Reife verrät.
Jedes Jahr im Spätsommer beginnt so die Zwetschgenzeit, und mit ihr die Zeit für Zwetschgenplootz. So wird der fränkische Zwetschgenkuchen genannt, ein Blechkuchen aus lockerem Hefeteig, mit Streuseln so dicht bedeckt, dass man die Früchte darunter fast vergisst.

Kommt der Zwetschgenkuchen heiß aus dem Backofen, muss er ein Weilchen abkühlen. Doch auch warm gegessen ist er ein Genuss, besonders dann, wenn er mit einem Klecks Sahne gekrönt ist.

Zwetschgenkuchen oder Zwetschgenplootz
Zutaten
Method
- Der Hefewürfel wird in 50 ml lauwarmer Milch mit zwei Esslöffeln Zucker verrührt. Fängt die Hefe zu gehen an, werden Mehl und restliche Zutaten in eine Schüssel gegeben und so lange verrührt, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst.

- Den Teig mit einen Tuch abdecken und an einen warmen Ort stellen. Warten, bis der Teig seine Größe gut verdoppelt hat, ihn noch einmal kneten und auf dem gefetteten Backblech ausrollen.

- Den Teig mit einer Gabel einstechen. Die Zwetschgen waschen, halbieren, entsteinen und auf den Teig schichten.

- Die Zutaten für die Streusel in einer Schüssel so vermischen, dass sich die Streusel bilden. Über den Zwetschgen verteilen

- Den Backofen auf 200 Grad Celsius vorheizen und den Kuchen etwa 35 Minuten lang backen.

Zwetschgen versus Pflaumen
Zwetschgen gehören zu den Pflaumen, und diese zum Steinobst. Zwischen Zwetschgen und Pflaumen gibt es eine Menge Kreuzungen, und inzwischen sind über den ganzen Globus mehr als 2.000 unterschiedliche Arten verteilt. Beginnt Mitte August die Ernte, werden ab dieser Zeit die Früchte auf Märkten und Supermärkten bis Anfang Oktober angeboten. Während es im Handel nur solche Sorten gibt, die besonders fest und damit transport- und lagerfähig sind, finde ich auf Märkten und bei den Bauern selbst auch andere Sorten. Manche von ihnen sind süßer, andere säuerlicher, ich kann probieren und entscheiden. Für den Kuchen eignen sich gerade die noch festen, etwas säuerlichen Früchte, denn sie lassen sich sauber halbieren und entsteinen, ohne matschig zu werden. Weiche Pflaumen zerfallen beim Backen eher, was den Kuchen schnell zu saftig und labbrig macht.
Übrigens kennt man den Kuchen je nach Region unter ganz anderen Namen. Zwetschgendatschi in Bayern, Quetschekuche in Hessen und der Pfalz, Prummetaat im Rheinland. Das Rezept dahinter ist meist ganz ähnlich, nur der Name wandert mit der Mundart.
Die Wespen liegen auf der Lauer
Werden die Zwetschgen reif, fallen die ersten bald vom Baum und liegen auf den Wiesen oder Wegen. Platzen sie durch den Fall auf, siedeln sich schnell Pilze an oder sie fangen an zu gären. Die Wespen riechen die Einladung und kommen schnell zum Fressen. Meistens sind es Gemeine Wespen oder Deutsche Wespen, zwei weit verbreitete Wespenarten. Sie suchen in Menschennähe gerne nach eiweißhaltiger oder süßer Nahrung. Weil beide Arten Völker von mehreren Tausend Tieren bilden, versammeln sich schnell viele Wespen an den süßen Früchten. Steht fränkischer Zwetschgenkuchen oder Zwetschgenplootz auf dem Tisch, fühlen sie sich ebenfalls eingeladen.
Warum Hefeteig
Für Zwetschgenplootz gibt es zwei Lager, Hefeteig oder Mürbeteig. Ich bleibe beim Hefeteig, er wird schön locker und saugt den Fruchtsaft der Zwetschgen besser auf, ohne durchzuweichen. Mürbeteig schmeckt eher wie eine Tarte, das ist für mich ein anderer Kuchen. Wer lieber Mürbeteig mag, findet hier die Zwetschgenwähe.
Aufbewahrung
Zwetschgenplootz hält sich abgedeckt zwei bis drei Tage bei Zimmertemperatur, im Kühlschrank etwas länger. Er lässt sich auch gut portionsweise einfrieren. Einfach nach dem Abkühlen einzeln einpacken und bei Bedarf auftauen oder kurz im Ofen aufwärmen.
Wer noch weitere Rezepte für fränkische Rezepte mit Zwetschgen sucht:
Windbeutel mit fränkischem Hauszwetschgenkompott
Gut zu wissen
Muss ich die Zwetschgen vor dem Backen entkernen?
Ja, die Zwetschgen werden halbiert und entsteint, bevor sie auf den Teig geschichtet werden.
Wie lange hält sich Zwetschgenplootz?
Abgedeckt zwei bis drei Tage bei Zimmertemperatur, im Kühlschrank etwas länger. Er lässt sich auch gut einfrieren.
Was ist der Unterschied zwischen Zwetschgen und Pflaumen?
Zwetschgen sind eine festere, meist ovale Unterart der Pflaume. Sie lassen sich leichter entsteinen und eignen sich deshalb besser zum Backen.
Wie heißt Zwetschgenplootz in anderen Regionen?
Zwetschgendatschi in Bayern, Quetschekuche in Hessen und der Pfalz, Prummetaat im Rheinland.
Darf ich wilde Zwetschgen am Wegrand pflücken?
In kleinen Mengen für den Eigenbedarf ist das Sammeln am Wegesrand gesellschaftlich wie meist auch rechtlich toleriert, solange der Baum nicht erkennbar auf eingezäuntem Privatgrund steht.