Fränkische Tapas

Gögerla zur Kommunion

Am weißen Sonntag 1972 gab es zum Festmahl der ersten heiligen Kommunion auch gebackenes Gögerla.

Gögerla im Ofen gebacken

Traditionell findet das Fest der ersten heiligen Kommunion am weißen Sonntag, dem Sonntag nach Ostern statt. An diesem Tag dürfen katholische Kinder zum ersten Mal an der Kommunion teilnehmen und bekommen den Leib Christi in Form einer Hostie. Für die Kinder, die zu dieser Zeit neun oder zehn Jahre alt sind, ist die Kommunion das wichtigste Fest der Kindheit, das von allen groß gefeiert wird. Das ist bis heute so geblieben. Damals war es allerdings üblich, dass solche Feste noch zu Hause gefeiert wurden, es gab noch keinen Partyservice und alles musste selbst organisiert, gebacken und gebraten werden.
Gleich nach Ostern fing meine Oma mit dem Küchla-Backen an, ihre Schwestern halfen ihr dabei. Zwei große Wäschekörbe voll Teig mussten herausgebacken und anschließend zu unseren Verwandten, Nachbarn und Gästen gebracht werden, insgesamt waren es gut 500 Küchla. Die Anzahl der fränkischen Krapfen, die jeder bekam, war übrigens genau festgelegt und vom Grad der Verwandtschaft abhängig. Meine Oma wachte darüber, dass jeder exakt den für ihn bestimmten Anteil Küchla erhielt: Auf einer Liste waren alle notiert. Wir bekamen einen Korb oder eine Schachtel mit den abgezählten Küchla und einen Zettel, auf dem der Name stand. Dann gingen wir zu Fuß zu den Leuten und bekamen als Dank Geschenke und Geld. Kamen wir zur Oma zurück, kontrollierten die Frauen die Gaben und unterhielten sich darüber, ob jeder auch ausreichend Geld geschenkt hatte. So erfuhren wir, dass nicht nur die Anzahl der Küchla, sondern auch die Höhe der Gegengaben genau festgelegt war. Das Geld kam in eine alte Zigarrenschachtel, die Geschenke lagen auf dem Tisch. Wir hatten eine sehr große Verwandtschaft, so dass am Ende mein Zwillingsbruder und ich jeweils mehr als 1.000 DM bekamen. Das war mehr, als ein Arbeiter damals als Monatslohn bekam. Aber uns interessierten damals die Spielsachen mehr als das Geld. Allein durch die Vielzahl der Geschenke, die auf dem Tisch angehäuft waren, verstanden wir, dass dieses Fest etwas ganz Wichtiges sein muss.
Die Erklärungen des Pfarrers, dass Gott in einem Stück Oblate sein sollte, überstieg meine Vorstellungskraft. Nach der Kirche gab es den Festschmaus. Wir Kinder saßen im Wohnzimmer an einem separaten Tisch, das fanden wir sehr gut. So mussten wir nicht den langweiligen Gesprächen der Erwachsenen lauschen und selbst ruhig sein. Zuerst bekamen die Erwachsenen ihr Essen: Leberknödelsuppe, Krenfleisch, Bratwürste und Rollbraten. Für insgesamt 15 Kinder hatte die Mutter vier Gögerla vorgesehen (im Ofen gebackene Hähnchen). Das war genug zum Sattessen, gab es doch Sonntags gerade mal ein einziges Hähnchen für sieben Personen. Stellte meine Mutter die Bratpfanne mit dem Gögerla auf den Küchentisch, stachen gleich die Gabel ihrer sechs Männer in das Tier, gerade so, als ob es noch einmal getötet werden sollte. Jeder von uns fünf wollte ein Hühnerbeinchen haben, der Vater das Bruststück. Leider hat so ein Hähnchen aber nur zwei Schlegel. Dann sprach unser Vater ein Machtwort, half das nicht, hieb er uns mit dem Messerrücken auf die Pfötchen, so dass wir die Gabeln schnell wieder aus dem Gögerla zogen.
Doch zur Kommunion gab es reichlich zu Essen. Bis heute ist mir unbegreiflich, dass die Menschen damals so viel essen konnten. Für uns Kinder waren die vier Gögela ausreichend und das Eis zum Nachtisch ein hochwillkommener und seltener Genuss. Leider war ich nach dem Gögerla schon so satt, dass ich lieber auf das Eis verzichtete, obwohl es mir echt schwerfiel.
Nach dem Essen mussten wir zurück in die Kirche, zur Andacht. Auch wenn mein Zwillingsbruder und ich lieber zu Hause geblieben und mit den anderen Kindern gespielt hätten. Aber es half nichts, das war Tradition. Dagegen kamen wir nicht an, als Kinder schon gar nicht.

Was es am weißen Sonntag noch zu Essen gab.

Einkaufsliste für das Essen am weißen Sonntag 1972

Kommunion Zwilling

Gögerla

Zutaten:
1 ganzes Huhn oder Hähnchen
4 große Zwiebeln
Salz, Pfeffer, Paprika edelsüß

Zubereitung:
Das Huhn waschen und trocken tupfen. Reichlich mit Paprika einreiben. Anschließend pfeffern und salzen.

Hähnchen mit Paprika, Salz und Pfeffer einreiben

Die Zwiebeln schälen und vierteln. Die geteilten Zwiebelschalen in einen Bräter und das Hähnchen obendrauf legen.

Römertopf nach dem Wässern mit Zwiebeln auslegen

Hähnchen auf die Zwiebeln legen und Römertopf mit etwas Wasser auffüllen

Den Bräter mit etwas Wasser auffüllen, dann mit einem Deckel verschließen und das Huhn bei 180°C eine Stunde im Ofen backen lassen. Jetzt den Deckel vom Bräter nehmen und mit Hilfe der Grillfunktion das Hähnchen von beiden Seiten für jeweils ca. 15 Minuten grillen, bis die Haut schön knusprig ist. Dabei immer wieder die Soße im Bräter über die Haut gießen.

Hähnchen mit einer Geflügelschere portionieren

Im Franken wird zum Gögerla traditionell Kloß gegessen und mit der Soße aus dem Bräter serviert.

Gögerla Tapas mit Salat

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Gögerla pdf Rezeptanleitung

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