Fränkische Tapas

Gerupfter – der fränkische Obazda

Der Blog „Draußen nur Kännchen“ ruft wieder zu seiner Aktion 12 von 12. Da gerade Bierkellersaison ist, stelle ich die Zubereitung von fränkischem Gerupfter in 12 Bildern vor, der auf vielen Kellern als fränkische Spezialität angeboten wird.
Was dem Bayern sein Obazda ist, ist für den Franken der Gerupfte. Allerdings gibt es zwischen beiden Käsesorten einen wesentlichen Unterschied: Während der Obazda aus reifem Camembert hergestellt wird, wird der Gerupfte in Franken mit einem echten Stinkekäse, dem Backstakes angemacht, wie hier der Limburger oder Romadur bezeichnet wird.

Backstakes, so nennen die Franken den Limburger bzw. Romadour

Damit er sich besser verarbeiten lässt und seinen Duft so richtig entfalten kann, legt man ihn im Winter eine Weile auf die Heizung und im Sommer in die Sonne. Kurz bevor er sich selbstständig macht, hat er die genau richtige Konsistenz.
Zwar mag die Mitbewohnerin den stinkenden Käse eigentlich nicht, doch als fränkischer Gerupfter schmeckt er ihr. Übrigens – gab es stinkenden Backstakes oder Gerupften in meiner Kindheit, habe ich auch lieber die Nase gerümpft. Schätzen lernte ich ihn erst später. Heute wird er zwar auf vielen Bierkellern als echt fränkische Spezialität angeboten, doch oft hat dieser Gerupfte mit dem Original nur den Namen gemein.

„Einer von euch lügt“, war sich unsere Mutter sicher, auch wenn jeder von uns hoch und heilig versicherte, dass er nichts angestellt hatte.
Was war passiert?
Wollte unsere Mutter das Essen zubereiten, schickte sie uns fünf Jungs nach draußen. Leider hatten wir nicht viel Spielzeug, auch die inzwischen so modernen Trampolinkäfige gab es noch nicht. Auch Fußballspielen im Hof war strengstens verboten.
Sollte uns die Zeit nicht lang werden, mussten wir erfinderisch sein. Einmal fanden wir die Bohnenstangen, an denen die Urgroßmutter im Nachbargarten ihre Feuerbohnen hochranken ließ. Wir fanden, dass sich diese hervorragend als Speere eigneten und wetteiferten in der Einfahrt darum, wer diese am Weitesten werfen konnte. Alles ging gut.

Feld mit Bohnenstangen

Bohnenstange

Doch ein Speer verfehlte die angepeilte Flugrichtung und traf nicht nur das Haus, sondern mit lautem Klirren das kleine runde Terrassenfenster.

Terrassenfenster

Die Mutter war stante pede im Hof – und uns blieb nur die altbewährte Strategie: Jeder von uns stritt es ab. Solange wir den Schuldigen nicht verpetzten, konnte sie somit nicht den Täter finden – und bestrafen.

Die Fensterscheibe wurde übrigens nie repariert. Sie erinnert uns bereits seit über vierzig Jahren an unseren Unfug, den wir damals trieben – und auch daran, dass wir damals viel besser zusammenhielten als heutzutage.
Jedes Mal, wenn wir gemeinsam auf der Terrasse sitzen, erinnert uns der Sprung in der Scheibe an unseren Bohnenstangenweitwurf und die „Ich-wars-nicht-Strategie“. Gleichzeitig denken wir aber auch an unsere so früh verstorbene Mutter, der wir damit bestimmt eine Menge Nerven geraubt haben.

Gerupfter

Zutaten:
200g Camembert, 100g Stinkerkäse z.B. Romadur, 50g weiche Butter, 50g Frischkäse, 1 Zwiebel, Rosenpaprika edelsüß, Kümmel gemahlen (oder Cumin), Schnittlauch, Salzstangen

Reifer Camenbert

Zubereitung:
Den reifen Camembert mit der Hand in kleine Stücke zerpflücken. Das gleiche geschieht mit dem Romadur.

Camenbert und Bakcstakes in eine Schüssel pflücken

Jetzt kommt die weiche Butter und die kleingeschnittene Zwiebel hinzu und das Ganze wird mit der Gabel zu einem batzigen Teig zerdrückt.

Weiche Butter

Käse mit einer Gabel zerdrücken

Anschließend wird der Gerupfte kräftig mit edelsüßen Paprika gewürzt. Mit Salz, Pfeffer und gemahlenen Kümmel abschmecken.

Gewürze für den Gerupften

Zum Schluss den Frischkäse einrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Schnittlauch kleinschneiden

Gerupften mit Schalotten garnieren

Mit Schnittlauch bestreuen und ganz wichtig: Die Salzstangen nicht vergessen. Die Franken lieben es, den Gerupften als Dipp nur mit Salzstangen zu essen.

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Gerupfter pdf Rezeptanleitung

  1. Tolle Idee die 12 von 12 so zu gestalten und vielen Dank für das Rezept.

    Lieben Gruß
    Sarah

    • Hallo Sarah,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Habe mich ein wenig auf Deinem Blog umgesehen und der ist sehr vielseitig. Du bloggst auch über Essen. Vielleicht hast Du ja ein altes Rezept aus Deiner Heimat für mich. Würde mich freuen, wenn Du es mit mir teilst. Außerdem interessiert mich, wie Dir als Wahlmünchnerin die fränkische Variante des Obazdn schmeckt.
      Viele Grüße von
      Ronald

  2. Mahlzeit,

    machst Du da echt Cumin rein? Bei mir ist das Kreuzkümmel und hat mit normalem Kümmel eigentlich nix zu tun. ich verwene Cumin meist wenn ich orientalisch, afrikanisch oder asiatisch koche. Im Gerupften kann ich mir den nicht wirklich vorstellen, bei uns wird der eher mit normalem Kümmel garniert.

    Grüssla!

    • Hallo Jean,

      danke für deinen Kommentar. Eigentlich nehme ich immer Kümmel und zermahle ihn mit einem Stößel. Es gibt hier aber einen Mitbewohner, der Kümmel überhaupt nicht mag. Wenn er mitisst nehme ich Cumin als Ersatz.

      Aber echt fränkisch kommt in den Gerupften nur Kümmel, entweder ganz oder gemahlen. Wie man es haben will.

      Viele Grüße

      Ronald

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.