Fränkische Tapas

Fränkische Zwetschgenklöße

Meine Urgroßeltern hatten sich um 1910 von einem Juden ein größeres Stück Land am Dorfrand gekauft. Auf diesem pflanzte meine Urgroßmutter eine ganze Menge Obstbäume, unter denen sich auch Zwetschgenbäume befanden. Später wurde mein Elternhaus auf einem Teil des Grundstückes errichtet, rundherum war Wiese und ebendieser Obstbaumgarten. Wurde es Frühsommer, naschten wir Kirschen, doch wir warteten weiter, bis endlich die Zwetschgen im Spätsommer reiften. Da allerdings meine Urgroßmutter die Zwetschgen an die Leute im Dorf verkaufen wollte, verbot sie uns strengstens, die reifen Zwetschgen zu reißen, wie wir hier im Fränkischen zum Pflücken sagen.
Doch wir waren fünf Jungs, die Urgroßeltern wohnten weit genug von der Obstwiese entfernt, so dass sie nicht sehen konnten, was wir tagsüber so trieben. Also fühlten wir uns stark und sicher genug, das Verbot zu missachten. Außerdem hatte ja jeder von uns noch vier Brüder, auf die er im Bedarfsfall den begangenen Diebstahl schieben konnte.
Hatte meine Urgroßmutter genügend Zwetschgen verkauft, durften wir ganz offiziell auch welche von den Bäumen ernten. Wenigstens so viele, dass es für einen Zwetschgenkuchen reichte.
Die Zwetschgenklöße selbst sind eine echte Leckerei. Leider gab es sie nur selten, ich fürchte mal, dass deren Zubereitung für unsere Mutter doch recht aufwändig war. Immerhin waren wir fünf Jungs, für die stellen 50 Zwetschgenklöße noch keine echte Herausforderung dar.
Als ich selbst zum ersten Mal die Zwetschgenklöße nach dem Rezept meiner Mutter zubereitete, wusste ich auf einmal, warum es diese so selten gegeben hatte: Wer damit eine siebenköpfige Familie sattkriegen will, ist lange vorher in der Küche mit der Kloßherstellung beschäftigt. Deswegen wurden bei uns daheim aus den Zwetschgen, die es hier in der Fränkischen wirklich reichlich gibt, eher Zwetschgenkuchen gebacken oder diese in Gläsern eingeweckt.

Zutaten
500 Gramm mehlig kochende Kartoffeln, 100 Gramm Mehl, 30 Gramm Grieß, 20 Gramm Butter, ein Eigelb, eine Prise Salz.

Rezept
Die Kartoffeln schälen, kochen und zerdrücken. Die Butter schmelzen, zu den Kartoffeln geben, gemeinsam mit Mehl, Grieß, Salz und Eigelb zu einem Teig kneten.
100 Gramm Semmelbrösel in zwei Esslöffel Butter braun rösten.
Sind die Zwetschgen frisch, wird der Stein herausoperiert und durch einen Würfelzucker ersetzt, eingeweckte Zwetschgen sind dagegen schon süß genug und können so verwendet werden. Der Teig wird in acht Teile geteilt und als Kloß um die acht vorhandenen Zwetschgen gefüllt, um jede einzeln, versteht sich.
Diese kommen in einen Topf mit siedendem Salzwasser, in dem sie etwa eine Viertelstunde lang ziehen, ohne zu kochen. Sobald sie im Topf nach oben steigen, sind sie gut. Dann lässt man sie abtropfen und wendet sie in den gerösteten Semmelbrösel.
Sie werden einfach mit Zimt und Zucker bestreut oder mit dem Fruchtsaft aus dem Einweckglas begossen. Franken sind schließlich Soßenfans.

Rezeptanleitung: Zum Herunterladen hier anklicken.
Fränkische Zwetschgenklöße pdf Rezeptanleitung

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