Fränkische Tapas

Fränkische Brotsuppe

Heute ist der erste Sonntag in der Fastenzeit, in der Kirche wird er Invocabit genannt. Deswegen möchte ich mit der fränkischen Brotsuppe heute ein typisches fränkisches Fastenessen vorstellen, dass es bei uns früher immer am Aschermittwoch gab.

Die Brotsuppe ist ein Restla-Essen, wie man in Franken sagt. Damit ist gemeint, dass Reste vom Essen nicht einfach weggeworfen werden, sondern die Grundlage für das nächste Essen bilden. Als die Frauen ihr Brot noch selbst buken, wussten sie, wie viel Aufwand das ist. Deswegen wurde höchstens einmal in der Woche Brot gebacken, manchmal auch noch seltener. Damit das Brot lange hielt, lag es im Keller auf einem Regal, das direkt unter der Kellerdecke hing. Wurde das Brot doch einmal hart, wurde es nicht einfach weggeworfen. Unsere Mutter hat daraus eine sehr schmackhafte Suppe bereitet, die fränkische Brotsuppe.

Obwohl – diese echt urig-fränkische Spezialität gab es sehr selten. Bei uns wurde Brot einfach nicht hart. Wir futterten mit sieben Personen an einem Brot und spätestens jeden dritten Tag musste ein frisches Brot im Haus sein. Meistens holten wir einen Fünfer, wie wir das fünf Pfund schwere Brot nannten. Wollte meine Mutter Brotsuppe kochen, schnitt sie extra Brotscheiben ab und legte sie zum Trocknen beiseite.

Neben dem Aschermittwoch war auch der Karfreitag für unsere Mutter ein wichtiger Fastentag. Da gab es weder Fleisch noch Wurst und Süßigkeiten schon mal gar nicht. Das galt auch freitags, nur nicht ganz so streng.

So war das Fasten für uns Brüder selbstverständlich. Wir wussten, dass unsere Eltern nur wenig Geld hatten und deswegen nicht alle Wünsche ihrer fünf Buben erfüllen konnten. Spielzeug bekamen wir beispielsweise nur zu Weihnachten und hatte einer von uns Geburtstag, bekam er Kleidung: Von der Oma gab es zwei Paar Socken, von der Uroma einen Schlafanzug. Die Schwester der Oma schenkte zwei Unterhemden mit den passenden Unterhosen. Von unserer Tante gab es entweder ein Hemd oder einen Pullover. Auch wenn wir wussten, was wir bekommen würden, haben wir uns auf den Geburtstag gefreut.

Am Ostersonntag gab es ein Osternest, in dem bunte Ostereier lagen, Nikolaus kamen Mandarinen, Walnüsse und ein Schokonikolaus in die Stiefel. Überhaupt gab es Schokolade nur sehr selten. Zweimal im Jahr ging meine Oma zum Handeln nach Oberbayern. Sie war eines der fränkischen Kreeweiber, die mit Meerrettich handelten. Kam sie zurück, brachte sie uns eine Tafel Schokolade mit. Passenderweise hatte diese fünf Reihen, so bekam jeder von uns genau vier Stückchen.

Aschermittwoch gingen wir in die Kirche und holten uns unser Aschenkreuz ab. Ebenso war es für uns Pflicht, Sonntags und an anderen Feiertagen in die Kirche zu gehen. Wir diskutierten nicht, ob wir zu Hause bleiben dürften, wir wussten, dass unsere Mutter da nicht mit sich reden ließ. Nur wer wirklich krank war, durfte einen Kirchgang versäumen und statt dessen auf dem Sofa liegen. Aschermittwoch jedenfalls gingen wir in die Kirche, Mittags gab es Brotsuppe und auch Abends verzichteten wir auf ein üppiges Abendbrot.

Wenn ich das mit dem vergleiche, was es heute alles gibt, scheint mir die Kindheit wie eine ewige Fastenzeit, in der wir nur wenig bekamen. Doch wir haben nicht darunter gelitten, schließlich gab es andere Dinge dafür. Für uns fünf war beispielsweise Langeweile ein Fremdwort. Diese Übung im Verzichten half mir später sehr, ich kam mit wenigen Dingen aus und war trotzdem glücklich und zufrieden.

An den Aschermittwoch 1986 kann ich mich übrigens noch sehr genau erinnern: Wir waren alle bereits erwachsen, lebten aber fast alle noch zu Hause. An diesem Tag trafen wir uns nachmittags, so wie immer. Wir wollten im Zimmer meines Zwillingsbruders die nötigen Hausarbeiten und Besorgungen besprechen, schließlich lebte unsere Mutter ja seit vier Jahren nicht mehr und wir mussten alles alleine erledigen. Wir sprachen über die Fastenzeit und darüber, auf was wir in diesen vierzig Tagen verzichten könnten. Allerdings erkannten wir schnell, dass wir ohnehin das ganze Jahr hindurch fasteten. Deshalb beschlossen wir einstimmig, an diesem Aschermittwoch unsere ganzjährige Fastenzeit zu beenden. Wir legten alles Geld zusammen und gingen einkaufen. Wir kauften uns einen Kasten Bier, den ersten nach einem ganzen Jahr, wir kauften Wurst und Süßigkeiten. An diesem Abend besuchte uns ein Freund. Er staunte nicht schlecht, als er sah, was wir alles am Aschermittwoch auftischten: Bier, ausreichend Essen und sogar Wurst. Aber sobald wir ihm unsere Interpretation vom Aschermittwoch erklärt hatten, lachte er laut und aß fröhlich mit uns.

Fränkische Brotsuppe

Zutaten:

2 alte Brotscheiben
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
50 Gramm Speckwürfel
Butter
Rinderbrühe
Gewürze: Salz, Pfeffer, Zucker, Cumin, Majoran
Kräuter: Petersilie oder Schnittlauch

 Zubereitung:

Die alten Brotscheiben in kleine Stücke schneiden und in der Pfanne mit Butter anrösten. Brot anschließend auf vier Teller verteilen. Speck, Zwiebel und Knoblauch kleinschneiden und in der gleichen Reihenfolge anbraten. Jetzt die Rinderbrühe hinzugeben und mit den Gewürzen abschmecken. Suppe auf die Brotteller verteilen und mit Petersilie oder Schnittlauch garnieren.

Brotstücke mit Butter anrösten

Geröstetes Brot auf die Teller verteilen

Fränkische Brotsuppe

Rezeptanleitung. Zum Herunterladen bitte anklicken.
Fränkische Brotsuppe pdf Rezeptanleitung

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